Glas als Material der Kunst

Seit dem Mittelalter gehört die Glasmalerei in Europa zu den kunstvollen Handwerkstechniken und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckten Künstler wie Karl Schmidt-Rottluff und Johan Thorn Prikker die Arbeit mit Glas für sich. Sie zeigten Glas als Material der Kunst und lösten es aus dem sakralen Raum.

Glasarbeiten von Augusto Giacometti, Theo van Doesburg und Frank Lloyd Wright zeigen das breite Spektrum der Glasmalerei im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden diese Entwicklungen wieder aufgenommen und im Zuge des Wiederaufbaus erhielten viele sakrale, repräsentative und private Bauten Verglasungen, die von Künstlern gestaltet waren. Einer von ihnen war Georg Meistermann, der vor allem in Deutschland gestaltete. In Frankreich waren es Künstler wie Fernand Léger, Le Corbusier und Jean Cocteau, die das Lichtspiel mit Farbe und Raum aufnahmen und die, obwohl sie nicht der christlichen Kirche verbunden waren, auch Kirchenfenster gestalteten.

Um 1960 experimentierten Pierre Soulages, Paul Ubac und Victor Vasarely mit Glas als Werkstoff, in der Gegenwart sind es Künstler wie Gerhard Richter, Markus Lüpertz und Johannes Schreiter, die auch Glasgestaltung für herausragende Sakralbauten gearbeitet haben. Sie alle experimentieren mit dem Zusammenspiel von Glas mit seinen unzähligen Facetten der Transluzidität, Farbe und reflektorischem Lichtspiel, mit dem räumliche Zusammenhänge bezeichnet und interpretiert werden können.

Bettina Pelz: Licht und Glas in der Kunst (Auszüge). Wetter/Ruhr 2012.